Endlich – Hannovers Indierock-Geheimtipp the high queens veröffentlichen ihr lang erwartetes zweites Album. THE URBAN SONGBOOK umschreibt das urbane Leben mit all seinen Ängsten und Sehnsüchten. Vom Verloren sein in der großartigen Strömung urbaner Wogen. Und von einer Suche nach Halt, um sich der weitläufigen Enge zu entwinden. (So viel zum Feuilleton.) Tatsächlich - in ihren Texten und Songs treffen the high queens unverstellt und (um diesen ganz aus der Mode gekommenen Begriff zu benutzen) glaubhaft die Gefühlswelt ihrer Zuhörer.

Die Band hat mit ihrer musikalischen Fantasie und musikantischen Finesse den Dancefloor-orientierten groovigen Sound ihres Debütalbums TEN KNIVES konsequent verfeinert und mit großer, tief berührender Emotion belebt. Mit dem Einsatz von akustischen Instrumenten und der konzentrierten Verfeinerung von Gesang und mehrstimmigen Chor, angereichert und veredelt durch Bläsergruppen und Streicher, wirkt das Album angenehm opulent und sphärisch.

Die anrührende Melancholie und die elegische, herbstlich/winterliche Klangfarbe des Albums (vielleicht wie bei Lennons MIND GAMES? – man erlaube uns bitte diesen Vergleich) ist für die (noch wenigen) Kenner des bisherigen Outputs von the high queens keine Überraschung – denn darin erkennt man den eigenen Ton, den die drei Hannoveraner Musiker in nun schon einigen Jahren ihres Zusammenspiels gefunden haben. Das ist ein Sound, der süchtig macht und das auch beabsichtigt. Findige DJs haben bereits herausgefunden, dass die einzelnen Tracks des Albums auch individuell in Setlists und Playlists auf dem Dancefloor und in Radioprogrammen funktionieren; ganz selbstverständlich und souverän auch zwischen etablierten und populärsten Namen.

Dennoch ist THE URBAN SONGBOOK ganz old-school-mäßig als Album angelegt, in dem die Songs einer eigenen Dramaturgie und emotionalen Logik folgen – THE URBAN SONGBOOK startet also nicht unbedingt mit der vermeintlich stärksten Nummer, dem offensichtlichen Hit, und kommt dafür aber auch bis zum letzten Ton nach einer klassischen Albumlänge von knapp unter 40 Minuten ohne Füller aus. 

Nach erstem Eindruck vielleicht noch zu subtil, unscheinbar und fast  bescheiden in seinem Auftreten erweist sich THE URBAN SONGBOOK bei genauerem und mehrmaligem Hinhören als musikalisch in höchstem Maße ausgeklügelt – und als eines der bisher gelungensten und ausgereiftesten  Alben dieses Jahres. Wer in diesen Tagen den musikalischen Output der letzten Zeit Revue passieren lässt und das Vergnügen (oder die Qual) der Wahl der Alben des Jahres 2010 hat, sollte THE URBAN SONGBOOK dafür ernsthaft in Betracht ziehen.

Angenommen dieses Album wird erfolgreich und Mainstream werden und man würde es in fünf, zehn oder zwanzig Jahren hören: diesen Erfolg wird man  nachvollziehen können. Im Unterschied zu den in letzter Zeit so vielen vor und bei ihrem Erscheinen hoch gelobten Alben, wo man sich schon nach wenigen Jahren (eigentlich schon nach Wochen) fragt: und das fanden wir mal großartig?!

Die Konzerte dieses Rocktrios sind eine umwerfende Synergie aus Melancholie und Tanzbarkeit: schlanker, melodieseliger Indie-Pop, durchzogen von dezenten elektronischen Sounds und voll auf den Punkt gerockt. Mit Verve und überwältigend groovig. Und das kommt an – live lassen sich die Queens eh nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Wer die Band schon auf der Bühne erleben durfte, weiß wovon hier die Rede ist.

Auch etwas für Fans von Death Cab For Cutie und Phoenix, The Replacements, REM, Alberta Cross und Zooey Deschanel.