FRIEDEMANN WEISE, der "natural born Entertainer - irgendwo zwischen Frank Spilker und Herrn Begemann" (popconnection.de), liebt die Provokation. Auf seiner MySpace-Seite firmiert er im musikalischen Genre "Unbekannter Künstler". Gerne behauptet er von sich die für Deutschland allerunmöglichsten Biografien wie "überzeugter Scientologe" oder "schwuler Jude mit Migrationshintergrund" - auch seine musikalische Selbsteinschätzung "klingt wie JACK JOHNSON auf Hartz IV" zeugt von geistreichem wie sarkastischem Humor, aber auch von seinem Mut zur Selbstironie. 

Sicher weckt das mehr Aufsehen und Interesse als "Friedemann Weise, Ex-Funk- schlagzeuger" oder "TITANIC-Schreiber Friedemann Weise". Was immer davon stimmt - soviel ist bekannt: seit 2006 ist er als Singer/Songwriter auf den Bühnen des Landes unterwegs. 

Nach einer bejubelten 5-Track EP (2007, Comic Shop Records), deren Songs in 12 (zwölf) deutschen Campusradios rotierten, nach zwei Deutschlandtouren und über 80 Gigs (u.a. vor ERDMÖBEL, GISBERT ZU KNYPHAUSEN, WOLKE) legt FRIEDEMANN WEISE (wir nennen ihn auch FRIEDE) zwei Jahre nach Karrierestart endlich sein Debutalbum vor. Gemeinsam mit dem wohl auffälligsten neuen Großtalent im deutschen Produzentenkosmos JAN LOEWENHAUPT (PALE, DEAR WOLF) und viel Vintage-Equipment hat er sich Monate lang in dessen Kölner Studio eingeschlossen, an Songs gefeilt und in einem Sound aufgenommen, der so gar nicht nach typisch deutscher Indie-Produktion klingt. 

Gleich in der ersten Nummer "Friedman Wiese" (kein Schreibfehler!) hört man ein Monoschlagzeug und knochige Gitarren, wie sie in Berlin noch nie, und in Hamburg schon lange nicht mehr klangen. Doch in erster Linie geht es FRIEDE auch hier um die Geschichte. In jedem Song hört man, dass er auf seiner Platte nicht nur alle Instrumente (außer Schlagzeug), sondern immer auch mit der Sprache spielt. Er schafft es, aus dem nach Magisterarbeit klingenden Zungenbrecher "deutschsprachiger, textbetonter Rock'N'Roll" einen Refrain zu machen, den man schon beim zweiten Mal mitsingt. 

Er schafft es, einen Song ("Hollywood") nur aus schlechten Witzen zu machen, die er noch nicht mal zu Ende erzählt. Er reimt "hör" auf "BLUR" ("Fenster"), er zitiert nicht nur RIO REISER ("Geldautomat"), sondern auch VELVET UNDERGROUND, NINO DE ANGELO und BILL WITHERS in einem Song ("Auf der Welt")! 

Er featured alte Drumcomputer ("T-Shirt & Jeans"), den guten alten Analog-Synthezizer ("Rettete"), wagt die Wiederkehr des berüchtigten Tapping-Solos ("Starterset"), Reggae-Bässe und Whooo-Whooo-Chöre. Er singt einer Freundin ein süß-sehnsüchtiges Duett ("Worauf warten wir") und bringt "Augen" in einer so entspannt groovenden LoFi-Version - mehr laid back kann kaum sein! 

So meisterhaft und g e l u n g e n das alles schon klingt, revolutionär neu ist das nicht. Doch FRIEDE folgt nur vordergründig den Musik- und Text-Klischées der Rockmusik - er benutzt sie und s p i e l t mit ihnen! Und trotzdem hält er sich dabei immer an die ungeschriebenen Gesetze in Rock und Pop. Denn wer ihn schon mal live (mit seiner ganz famosen Band!) erleben durfte, weiß, dass er hauptsächlich eins will: Unterhalten! Deshalb bleibt auch sein Album kürzer als eine Schulstunde (aber länger gut).

JONATHAN RICHMAN hat mal gesagt, traurig zu sein ist kein Grund traurige Lieder zu schreiben. Und gegen einen Vergleich mit diesem großen und wortwitzigen Storyteller und Songwriter (der schon durch die deutsche Blogwelt schwirrt) wird FRIEDEMANN WEISE wohl nichts einzuwenden haben.